ROMANTIK AM CHURFRANKEN-MAIN

Einen Namen hatte die Region zwischen dem sogenannten Mainknie und Aschaffenburg bis vor ein paar Jahren nicht. Findige Touristiker tauften sie schliesslich in Anlehnung an die früheren Landesherren und die heutige Zugehörigkeit zu Bayern und dem Frankenland „Churfranken“:

Architektonische Perle des Landstrichs ist zweifelsohne Miltenberg. Die Stadt präsentiert sich fast rein mittelalterlich, mit einem Fachwerkensemble voller Giebel und Erker, eng mit winkeligen Gassen, romantisch in einen großen Bogen des Flusses angelehnt. Der lud bereits die Römer ein, hier ihren Limeswall mit zwei Kastellen zu sichern und an den sonnigen Hängen Wein anzubauen. Es war vermutlich ums Jahr 1200, als der Mainzer Erzbischof die Burg Mildenberg als östliche Verteidigungsanlage errichten ließ. Von da an lenkten mehr als 600 Jahre lang die geistlichen und weltlichen Herrscher aus der Rheinmetropole die Geschicke des Ortes und seiner fruchtbaren Umgebung an den waldreichen Höhen von Spessart und Odenwald.
Blick vom Mildenburger Schloss auf den Main.
Über der Stadt Miltenberg erhebt sich die Mildenburg. Nach umfangreichen Restaurierungen beherbergen nun ihre Innenräume ein weiteres Museum der Stadt Miltenberg, in dem sich Ikonen und zeitgenössische Kunstwerke miteinander der Öffentlichkeit zeigen. Im Museum.Burg.Miltenberg präsentieren sich neben russischen und griechischen Ikonen sowie rumänischen Hinterglas-Ikonen aus der Sammlung Dr. Joachim und Marianne Nentwig Kunstwerke des 20. und 21. Jahrhunderts.
Der Gasthof Riesen reklamiert für sich ältestes Gasthaus in Deutschland zu sein.
Ein weiteres Prunkstück Miltenbergs ist der Gasthof Riesen, ein Fachwerkjuwel aus der Zeit, als der Mainzer Erzbischof den Miltenbergern das Stapel-, Umschlags- und Geleitrecht verlieh. Das war 1368, und der Ort stieg zur bedeutenden Handelsstadt auf. Die zahlreichen Ausflugsgruppen von den vielen Mainschiffen, die heutzutage hier landen, bestaunen fränkische Fachwerk-Schnitzereien, Neidfratzen und Handwerkerzeichen, und hören von den Stastführern Geschichten über Hexenwahn und Hochwassergefahr. „Im Hof des Gasthofes Riesen konnten 100 Pferde Quartier machen“, ist zu vernehmen, „König Ludwig von Bayern, Kaiser Karl IV. und Barbarossa haben in der Giebelsuite genächtigt.“
Kunst-Exponate im Schloss Mildenburg.
Vom Marktplatz führen zwei Wege zum Schloss. Entweder durch das Schnatterloch-Tor, was der besser gangbare Weg ist, oder rechts vom Marktplatz einen groben Steinweg recht steil nach oben. Geht man durch das Schnatterloch-Tor gelangt man direkt dahinter auf einen verwunschenen Waldweg, nimmt nach 50m links den Weg nach oben und landet neben einem Hotel, biegt dort nach rechts ab und kommt nach 100 Meter durch einen alten Torbogen auf das Gelände der Burg. Von hier oben hat man einen fantastischen Ausblick auf den Main und Miltenberg mit der doppeltürmigen Kirche. Hier ist auch der Eingang zum Schlossmuseum. Der andere Zugang zum Schloß und auch zurück auf den Marktplatz ist ein steiler Kopfsteinpflasterweg, der absolut nur mit festem Schuhwerk zu gehen ist. Meist sind Geländer vorhanden.
Die Staffelbrunser in Miltenberg.
Viele Städte und Gemeinden haben Spott- und Spitznamen, die heutzutage vor allem im Karneval verwendet werden. Die Miltenberger sind die „Staffelbrunser“ und diesem Spottnamen wird mit dem „Staffelbrunserbrunnen“ gedacht. Auch wenn sich um die Herkunft dieses Spitznamens verschiedene Legenden ranken, ist die plausibelste Erklärung, dass diejenigen, die in früherer Zeit ihr Wasser am Staffelbrunnen holten, als „Staffelbrünnler“ bezeichnet wurden. Irgendwann wurde diese Bezeichnung auf alle Miltenberger ausgeweitet und zum „Staffelbrunser“ verballhornt. – „Brunsen“ ist das hiesige Wort für „urinieren“. Die Figuren stellen unterschiedliche Charaktere dar: der „Glee“ („Kleine“), der „Gross“ (Große) und der „Angeber“. Erstellt wurde der Brunnen von dem Aschaffenburger Bildhauer Helmut Kunkel im Auftrag des Fremdenverkehrsvereins Miltenberg.
Hochdekorierte Brauerei in Miltenberg: Faust.
Zwölf Spezialitäten offeriert die Brauerei Faust, darunter auch das Pils alkoholfrei oder das Schweinviertler, benannt nach dem ältesten Stadtviertel Miltenbergs. Eine besondere Sorte ist der holzfassgereifte Eisbock, der im Jahr 1890 erfunden worden sein soll. Der Legende zufolge hatte ein Brauergeselle abends keine Lust mehr, die Bockbierfässer in den Keller zu rollen. Während der Winternacht erstarrte das Bier zu Eis, woraufhin der Braumeister den Gesellen zur Strafe befahl, die Flüssigkeit in der Mitte der Eisblöcke zu trinken. Dass dies durchaus keine Strafe darstellte, beweist heute die Beliebtheit des malzig-süßen Gebräus. Seine charakteristische Milde erreicht das Bier durch das monatelange Ausfrieren in Holzfässern. Das reichhaltige Sortiment der Brauerei wird in einer besonderen Schatzkammer aufbewahrt.
Steillagen mit Buntsandstein sind in Churfranken der Garant für exzellente Spätburgunder.
Hinauf auf den Rotwein-Wanderweg. Ohne menschliches Zutun würde ein Regenguss den Boden samt Rebstöcken ganz einfach in den Main schwemmen. Also hat man fleißig terrassiert: Schon vor Jahrhunderten haben die Winzer tonnenweise roten Sandstein zu Mauern aufgetürmt, alles von Hand und ohne Mörtel. Zwischen den Mauern liegen nun kleine ebene Flächen für die Rebstöcke. Die Mauern speichern Wärme, die sie dann nachts wieder abgeben – perfekt für die Wärme liebenden Rotweintrauben. An manchen Hängen liegen sage und schreibe 100 solche Mauern übereinander – das sind allein in den Weinbergen von Klingenberg etwa 250 Kilometer Trockenmauern.
Sommelière Niki Restel berät im Gasthaus „zur Krone“ in Großheubach.
Das Dorfgasthaus „zur Krone“ von Ralf und Niki Restel wurde mit den Jahren immer anspruchsvoller, phantasievoller. Niki machte die Ausbildung zur Sommelière und verwaltet heute einen ansehnlichen Weinkeller mit regionalen aber auch ausgewählten internationalen Spitzenweinen, alles zu relativ moderaten Preisen. Die Krone liegt an der Bundesstraße mitten in Großheubach bei Miltenberg am Main. Die Restaurant-Einrichtung ist solide-konservativ-ländlich, gänzlich unprätentiös, wie ein richtiges Dorfgasthaus, niedrige Decken, massives Holz, mit Liebe zum Detail wechselnd dekoriert, mit Stoff eingedeckte Tische. Dazu gibt’s hinter dem Haus im Innenhof einen netten Biergarten und eine umgebaute Scheune für Festivitäten aller Art.
„Fisch in der Nudel mit gebratener Jakobsmuschel“: serviert im Gast-und Weinhaus Restel in Großheubach.
Erste Adresse für gute Häckerwirtschaft ist in Bürgstadt das Weingut Stich. Häckerwirtschaften ähneln den österreichischen Buschenschenken und durften einst nur zu bestimmten Zeiten geöffnet werden. An diese Tradition anknüpfend ist auch die Häckerwirtschaft Stich nur zu bestimmten Zeiten geöffnet. Häckerwirtschaft ist vergleichbar mit der Besenwirtschaft oder Straußwirtschaft, wie sie in anderen Weinbauregionen genannt wird. Der Begriff Häckerwirtschaft kommt von Häcker oder Hacken, weil das früher die einzige Möglichkeit der Bodenbearbeitung hier in den steilen Weinbergen war. Die Winzer waren nur mit ihren Hacken unterwegs, um den Boden vom Bewuchs freizuhalten. Und darum wird das hier Häckerwirtschaften genannt. Der Winzer räumt seine Wohnstube aus oder hat einen separaten Raum, in dem er seine Häckerwirtschaft betreibt.
Einladung zur Entschleunigung für Wanderer auf dem 70 Kilometer langen Rotweinwanderweg.
Durchaus begründet ist der Slogan „Tor zu den Weinterrassen“, denn in Erlenbach beginnen die Buntsandsteinsteillagen. Sehr beliebt bei allen Wanderern ist die Wanderung von Erlenbach nach Klingenberg. Der gut begehbare Weg durch die Weinberge mit den einzigartigen Buntsandsteinterrassen bietet herrliche Ausblicke ins Maintal. Als Ausgangspunkt empfiehlt sich der Parkplatz am Bergschwimmbad in der Mechenharder Straße. Direkt dort findet man auch eine große Info- und Wandertafel mit aktuellen Hinweisen auf Weinveranstaltungen und Häckerwirtschaften.
Blick auf den Weinberg von Spitzenwinzer Rudolf Fürst.
Der elegante Spätburgunder ist zweifellos der Star in Churfranken. Der Wein für die besonderen Momente. Aber das ist längst nicht alles. Im Alltag süffeln die Churfranken gern einen einfachen, aber kräftigen Portugieser. Außerdem gibt es wunderbare Frühburgunderweine oder Spezialitäten wie die roten Rebsorten Regent und Domina.
Fotos: – Text: Klaus Feldkeller
Die Medienreise wurde veranstaltet von Mainland Miltenberg – Churfranken e.V.

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