DEUTSCHORDEN PRÄGT BAD MERGENTHEIM ÜBER 800 JAHRE

Der Deutsche Orden prägte die Geschichte Europast und hatte sogar einmal einen eigenen Staat. Über Jahrhunderte residierte die Ordensleitung in Mergentheim im Nordosten von Baden-Württemberg:

Auch mehr als 200 Jahre nach dem Umzug der Zentrale des Deutschen Ordens von Mergentheim nach Wien bestimmen die Gebäude und die Geschichte der Gemeinschaft das Stadtbild im Taubertal. Wie seit Jahrhunderten prägt das massive Gebäude-Ensemble rund um das ehemalige Wasserschloss am Rande der historischen Altstadt das Ortsbild.  Der Deutsche Orden, auch Deutschherrenorden oder Deutschritterorden genannt, ist eine Gemeinschaft päpstlichen Rechts mit mehr als 800-jähriger Geschichte. Er wurde während der Kreuzzüge 1190 zunächst zur Krankenpflege gegründet. Ebenso wie Johanniter, Malteser und Templer wollte der Deutschorden Pilger im Heiligen Land versorgen und die zentralen Stätten des Christentums vor dem Islam schützen. Im Mittelalter war er dann als Ritterorden eine herrschende Macht im Norden und Osten Europas. 
Dr. Christoph Bittel erläutert beim Rundgang im Residenzschloss Bad Mergentheim die Geschichte des Deutschordens.
Begonnen hatte die Verschmelzung der Geschichte von Stadt und Orden vor 800 Jahren: Am 16. Dezember 1219 trat Andreas von Hohenlohe der Gemeinschaft bei und übertrug ihr Ländereien und Rechte. Kaum drei Jahrzehnte zuvor war der Orden entstanden – im Zusammenhang mit einem Feldhospital norddeutscher Kaufleute, das beim Dritten Kreuzzug im Zuge der Belagerung Akkons im Heiligen Land errichtet worden war. 1230 gründete der Orden auf dem Gebiet des späteren West- und Ostpreußen sowie dem heutigen Estland und Lettland einen eigenen Ordensstaat, der bis 1561 Gültigkeit hatte. Das Ordensgewand zeigt ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund.
Kapitelsaal von 1780/82 im Deutschordensschloss Bad Mergentheim.
Ab Ende des 13. Jahrhunderts entstand im heutigen Baltikum der Deutschordensstaat, der 100 Jahre später eine Fläche von 200.000 Quadratkilometern umfasste – eine nicht unproblematische und bis heute in Osteuropa mit vielen Ressentiments belastete Geschichte. Nach einem Krieg mit der Polnisch-Litauischen Union und einer langen Auseinandersetzung mit Preußen begann der Niedergang des Staates. Der führte dazu, dass sich der Orden wieder auf seine weit verstreuten Besitzungen in anderen Teilen Europas besann und seine Zentrale 1525 nach Mergentheim verlegte. Dort blieb sie bis zur Säkularisation und fand anschließend bei den Habsburgern in Wien Unterschlupf.
Exemplarisches Beispiel für barocke Baukunst: Die Schlosskirche.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Orden aufgehoben, der Besitz beschlagnahmt. Trotzdem galt der Orden im Kalten Krieg in den Staaten des Warschauer Pakts als Symbol der Angst vor einer Grenzrevision. Wie lebendig die Geschichte blieb, zeigte zuletzt etwa die Fußballeuropameisterschaft 2008: Im Zusammenhang mit einem Spiel gegen Deutschland stellte das polnische Boulevardblatt „Fakt“ den damaligen Kapitän Michael Ballack im Ordensmantel mit schwarzem Kreuz auf weißem Grund und mit einer Pickelhaube dar. 1929 wurde der Ritterbrüder-Zweig aufgelöst und von Papst Pius XI. in einen rein geistlichen Orden der „Brüder des deutschen Hauses Sankt Mariens in Jerusalem“ umgewandelt. Ihm gehören auch Ordensschwestern und sogenannte Familiaren an, die keine Ordensgelübde ablegen.
Der ehemalige Bundeskanzler Konrad Adenauer wurde am 10. März 1958 als Ehrenritter in den Orden vom Ordensgroßmeister, Pater Marian Tumler, aufgenommen.
Die Gemeinschaft ist heute in sechs Ländern vertreten; sie ist Trägerin zahlreicher sozial-karitativer Einrichtungen. Die Ordenszentrale befindet sich seit 1809 in der österreichischen Hauptstadt. An ihrer Spitze steht der Hochmeister, derzeit der Saarländer Frank Bayard. Besichtigt werden können im Deutschordensschloss-Museum die Repräsentationsräume, darunter der des Generalkapitels, an dessen Wänden in Stuck ein Lobpreis auf den Kampf des Ordens gegen die Ungläubigen angebracht ist.
Sehenswert: Treppe mit Spiral- oder Schneckenmuster im Deutschorden-Museum.
Zur angrenzenden Schlosskirche gehört die Hochmeisterempore, von der aus die Chefs der Gemeinschaft an den Gottesdiensten teilnahmen. Heute ist der Hochmeister für rund 100 Priester, etwa 200 Schwestern und 900 Familiare verantwortlich. Eine Gemeinschaft mit Ordensfrauen lebt wieder an der Tauber und hilft in einem Krankenhaus. Die Aufgabengebiete sind heute Bildung und Soziales.

Fotos – Text: Klaus Feldkeller
Die Einladung zu dieser Medien-Reise erfolgte durch den Tourismusverband Liebliches Taubertal

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