GENUSS-DREIECK CHURFRANKEN: MILTENBERG – BÜRGSTADT – KLINGENBERG

Einen griffigen Namen hatte die Region zwischen dem sogenannten Mainknie und Aschaffenburg bis vor ein paar Jahren nicht. Findige Touristiker tauften sie schliesslich in Anlehnung an die früheren Landesherren in Mainz und die heutige Zugehörigkeit zu Bayern und dem Frankenland „Churfranken“:

Kulinarischer und kultureller Genuss steht in der Region ganz oben. Eine gute Adresse für die Häckerwirtschaft ist in Bürgstadt das Weingut Neuberger. Häckerwirtschaften ähneln den österreichischen Buschenschenken und durften einst nur zu bestimmten Zeiten geöffnet werden. An diese Tradition anknüpfend ist auch diese Häckerwirtschaft nur zu bestimmten Zeiten geöffnet. Häckerwirtschaft ist vergleichbar mit der Besenwirtschaft oder Straußwirtschaft, wie sie in anderen Weinbauregionen genannt wird. Der Begriff Häckerwirtschaft kommt von Häcker oder Hacken, weil das früher die einzige Möglichkeit der Bodenbearbeitung hier in den steilen Weinbergen war. Die Winzer waren nur mit ihren Hacken unterwegs, um den Boden vom Bewuchs freizuhalten. Und darum wird das hier Häckerwirtschaften genannt, mit Kochkäse, rustikalen Speisen und einem Schoppen Wein.
Historischer Markt mit Brunnen in Miltenberg.
Architektonische Perle des Landstrichs ist zweifelsohne Miltenberg. Die Stadt präsentiert sich fast rein mittelalterlich, mit einem Fachwerkensemble voller Giebel und Erker, eng mit winkeligen Gassen, romantisch in einen großen Bogen des Flusses angelehnt. Der lud bereits die Römer ein, hier ihren Limeswall mit zwei Kastellen zu sichern und an den sonnigen Hängen Wein anzubauen. Es war vermutlich ums Jahr 1200, als der Mainzer Erzbischof die Burg Mildenberg als östliche Verteidigungsanlage errichten ließ. Von da an lenkten mehr als 600 Jahre lang die geistlichen und weltlichen Herrscher aus der Rheinmetropole die Geschicke des Ortes und seiner fruchtbaren Umgebung an den waldreichen Höhen von Spessart und Odenwald.
Gästeführerin Weinererlebnis Franken, Marianne Krommer, erläutert die spezifischen Terroir-Bedingungen in den Lagen Centgrafenberg und Hundsrueck.
Ein leichter Anstieg führt auf befestigten Wegen in die Bürgstädter Weinberge des Centgrafenbergs. Dort geht man mit der Gästeführerin Weinererlebnis Franken, Marianne Krommer, auf idyllischen Wegen, vorbei an Reben, Terrassenanlagen, Obstbäumen und einer reichhaltigen Flora und Fauna, zum Weinbergspavillon. Nach der Rast am Pavillon führt die Wanderung auf den Panoramaweg, der einen herrlichen Überblick über Miltenberg, die Steinbrüche und die Mainhölle bietet. Auf der leichten Wanderung  hört man auf vergnügliche Weise einiges zur Kulturgeschichte der Region. Als Wein-Wanderer erfährt man ausserdem etwas über die Arbeiten im Weinberg, den fränkischen Trias, Terroir und Wildkräuter am Wegrand. Auf dem Weg werden verschiedene Weine vom Centgrafenberg verkostet.
Historisches Kleinod in Bürgstadt: Die Martinskapelle.
Wahrscheinlich war sie zunächst Pfarrkirche für die gesamte Umgebung und wurde zwischen 900 und 1000 errichtet: Die Martinskapelle. Ihr Patrozinium verweist auf die fränkische Staatskolonisation des 7. Jahrhunderts. In dieser Zeit war Bürgstadt bedeutendster Mainzer Stützpunkt im südwestlichen Mainviereck. Um 1490 erhielt die Martinskapelle neue Portale von den Künstlern, die gleichzeitig an der Pfarrkirche arbeiteten. Das Hauptportal zeigt im Tympanon den Heiligen Martin zu Pferd, seinen Mantel mit dem Bettler teilend. Darüber Christus mit dem Mantel in der Hand, so wie er nach der Legende St. Martin im Traum erschienen ist. Rechts vom Eingang befinden sich drei Sühnekreuze, die im 15. Jahrhundert öfter in unserer Region errichtet wurden. Ergänzt wird die Innenauststattung ebenfalls kurz vor 1500: St. Martin im Chor und die ausdrucksstarke Kreuzigungsgruppe im Triumphbogen stammen vielleicht aus der Schule Tilman Riemenschneiders. Ihre heutige Gestalt erhielt die Martinskapelle um 1590.
Churfranken von oben: Der Main hat die Landschaft wirtschaftlich und kulturell gepraegt.
Flugplatz Mainbullau. Es geht in die Lüfte. Eingebettet in die bewaldete Hügellandschaft zwischen Odenwald und Spessart liegt unten das schmale Band des Mains, der Fluss zerteilt Ortschaften, Weinberge und Felder. Zu sehen ist Kleinheubach mit dem Schloss Löwenstein, wenig später überfliegen wir das Kloster Engelberg, nähern uns der Rotweinstadt Klingenberg mit seinen buntsandsteinigen Steillagen-Terrassen, kurz darauf kommen das historische Miltenberg, Bürgstadt und das malerische Amorbach mit seiner beeindruckenden Abteikirche in Sicht.
Hinauf auf den Rotwein-Wanderweg. Ohne menschliches Zutun würde ein Regenguss den Boden samt Rebstöcken ganz einfach in den Main schwemmen. Also hat man fleißig terrassiert: Schon vor Jahrhunderten haben die Winzer tonnenweise roten Sandstein zu Mauern aufgetürmt, alles von Hand und ohne Mörtel. Zwischen den Mauern liegen nun kleine ebene Flächen für die Rebstöcke. Die Mauern speichern Wärme, die sie dann nachts wieder abgeben – perfekt für die Wärme liebenden Rotweintrauben. An manchen Hängen liegen sage und schreibe 100 solche Mauern übereinander – das sind allein in den Weinbergen von Klingenberg etwa 250 Kilometer Trockenmauern.
Bio-Winzerin aus Überzeugung: Anja Stritzinger aus Klingenberg.
Winzerin Anja Stritzinger (Bioland) arbeitet hier. Die Sandstein-Terrassen bilden die Grundlage für die Qualität ihrer Weine und schaffen ein besonderes Kleinklima, das nicht nur den klassischen Rebsorten wie Portugieser, Spätburgunder und Riesling besonders gut gefällt. Allerdings verlangen diese Anlagen einen hohen körperlichen Einsatz der Winzer. Durch die schmalen Treppenaufgänge ist eine Mechanisierbarkeit  unmöglich. Lediglich handgeführte Kleingeräte wie Rasenmäher und Motorsensen, die von Terrasse zu Terrasse gehoben werden können, kommen hier zum Einsatz. Der elegante Spätburgunder ist zweifellos der Star in Churfranken. Der Wein für die besonderen Momente. Aber das ist längst nicht alles. Im Alltag süffeln die Churfranken gern einen einfachen, aber kräftigen Portugieser. Außerdem gibt es Frühburgunderweine oder Spezialitäten wie die roten Rebsorten Regent und Domina.
Erfolgsgeschichte: Whisky aus Churfranken.
Ein Heiliger, ein Whiskybrenner und ein Investmentbanker. Es ist bezeichnend, dass drei so unterschiedliche Lebensentwürfe im churfränkischen Rüdenau zusammenlaufen sollten. Der Legende nach war der Investmentbanker  Andreas Thümmler Jahre von einem irischen Whiskey so begeistert, dass er ein Fass davon kaufen wollte. Der Whiskybrenner David Hynes ließ sich zwar lange bitten, seinen fassstarken Kilbeggan herauszurücken, doch zahlte sich die Hartnäckigkeit des Bankers aus. Die beiden wurden Freunde. Eines Abends, nach fünfzehn Gläsern Whiskey, fassten sie einen Entschluss: im malerischen Rüdenau sollte eine deutsche Whiskybrennerei entstehen. Single Malt „Made in Germany“ soll die Whisky-Welt erobern.
Premieren-Produktion: Single Malt Whisky aus der Destille St. Kilian.
Auch der Namenspatron war schnell gefunden. Aus Irland stammend, missionierte der Heilige Kilian im 7. Jahrhundert Franken und wird dafür in der Region heute noch verehrt. Gern wird erzählt, er habe dabei hochprozentigen Alkohol als Überzeugungshilfe eingesetzt. Freilich hält dies keiner historisch-kritischen Prüfung stand. Dafür aber fügt sich ein alkoholaffiner Heiliger exzellent in die Gründungslegende der Brennerei ein, allzumal mit irischen Wurzeln. Zwar hatten die St. Kilian Distillers bereits einige New-Makes und fassgereifte Getreidebrände verkauft, diese durften sich mangels ausreichender Reifezeit nur nicht Whisky nennen. Am 10. Mai 2019 war es soweit und der erste Single Malt konnte der Öffentlichkeit präsentiert werden werden, sowohl eine exklusive Sammleredition, als auch die Standardabfüllung.
Alt-ehrwürdiges Gasthaus in Miltenberg: „Zum Riesen“.
Ein weiteres Prunkstück Miltenbergs ist der Gasthof Riesen, ein Fachwerkjuwel aus der Zeit, als der Mainzer Erzbischof den Miltenbergern das Stapel-, Umschlags- und Geleitrecht verlieh. Das war 1368, und der Ort stieg zur bedeutenden Handelsstadt auf. Die zahlreichen Ausflugsgruppen von den vielen Mainschiffen, die heutzutage hier landen, bestaunen fränkische Fachwerk-Schnitzereien, Neidfratzen und Handwerkerzeichen, und hören von den Stadtführern Geschichten über Hexenwahn und Hochwassergefahr. „Im Hof des Gasthofes Riesen konnten 100 Pferde Quartier machen“, ist zu vernehmen, „König Ludwig von Bayern, Kaiser Karl IV. und Barbarossa haben in der Giebelsuite genächtigt.“

Eingang zum Schlossmuseum in Miltenberg: Zeitgenössische Kunst am Wegesrand.

Vom Marktplatz führen zwei Wege zum Schloss. Entweder durch das Schnatterloch-Tor, was der besser gangbare Weg ist, oder rechts vom Marktplatz einen groben Steinweg recht steil nach oben. Geht man durch das Schnatterloch-Tor gelangt man direkt dahinter auf einen verwunschenen Waldweg, nimmt nach 50 Meter links den Weg nach oben und landet neben einem Hotel, biegt dort nach rechts ab und kommt nach 100 Meter durch einen alten Torbogen auf das Gelände der Burg. Von hier oben hat man einen fantastischen Ausblick auf den Main und Miltenberg mit der doppeltürmigen Kirche. Hier ist auch der Eingang zum Schlossmuseum. Der andere Zugang zum Schloß und auch zurück auf den Marktplatz ist ein steiler Kopfsteinpflasterweg, der absolut nur mit festem Schuhwerk zu gehen ist. Meist sind Geländer vorhanden.
„Staffelbrunserbrunnen“ in Miltenberg.
Viele Städte und Gemeinden haben Spott- und Spitznamen, die heutzutage vor allem im Karneval verwendet werden. Die Miltenberger sind die „Staffelbrunser“ und diesem Spottnamen wird mit dem „Staffelbrunserbrunnen“ gedacht. Auch wenn sich um die Herkunft dieses Spitznamens verschiedene Legenden ranken, ist die plausibelste Erklärung, dass diejenigen, die in früherer Zeit ihr Wasser am Staffelbrunnen holten, als „Staffelbrünnler“ bezeichnet wurden. Irgendwann wurde diese Bezeichnung auf alle Miltenberger ausgeweitet und zum „Staffelbrunser“ verballhornt. – „Brunsen“ ist das hiesige Wort für „urinieren“. Die Figuren stellen unterschiedliche Charaktere dar: der „Glee“ („Kleine“), der „Gross“ (Große) und der „Angeber“. Erstellt wurde der Brunnen von dem Aschaffenburger Bildhauer Helmut Kunkel im Auftrag des Fremdenverkehrsvereins Miltenberg.
Faust-Brauerei-Chef Cornelius Faust vor dem Sudkessel.
Zwölf Spezialitäten offeriert die Brauerei Faust, darunter auch das Pils alkoholfrei oder das Schweinviertler, benannt nach dem ältesten Stadtviertel Miltenbergs. Eine besondere Sorte ist der holzfassgereifte Eisbock, der im Jahr 1890 erfunden worden sein soll. Der Legende zufolge hatte ein Brauergeselle abends keine Lust mehr, die Bockbierfässer in den Keller zu rollen. Während der Winternacht erstarrte das Bier zu Eis, woraufhin der Braumeister den Gesellen zur Strafe befahl, die Flüssigkeit in der Mitte der Eisblöcke zu trinken. Dass dies durchaus keine Strafe darstellte, beweist heute die Beliebtheit des malzig-süßen Gebräus. Seine charakteristische Milde erreicht das Bier durch das monatelange Ausfrieren in Holzfässern. Das reichhaltige Sortiment der Brauerei wird in einer besonderen Schatzkammer aufbewahrt.
Landhotel und Restaurants mit Geschichte: Der „Schafhof Amorbach“.
In Amorbach wird gerne geheiratet – kein Wunder bei diesem Namen. Als Benediktinermönche im 8. Jahrhundert hier an einer ergiebigen Quelle ein Kloster gründeten, hatten die frommen Männer wohl nicht an die Liebe gedacht. Als aber einer der Mönche glaubte,  das Quellwasser hätte heilende Wirkung, sprach er vom „rivus amoris“, dem Bach der (göttlichen) Liebe.  Das war den strengen Benediktinern dann doch zu heikel: sie erfanden einen Abt „Amor“, der als Klostergründer herhalten musste und schon war das Problem theologisch elegant gelöst. Heute ist Amorbach eine idyllische kleine Barockstadt im bayerischen Odenwald mit einer sehenswerten fürstlichen Abtei und einem vom Fachwerk geprägten Altstadtkern. Von Amorbach führt ein Wanderweg durch das Otterbachtal an Streuobstwiesen vorbei hinauf zum Schafhof. Das weitläufige ehemalige Klostergut der Benediktiner beherbergt heute ein stilvoll restauriertes Hotel der gehobenen  Kategorie.
„Schafkoch“-Gastgeber Herbert Ullrich zelebriert einen edlen Tropfen aus eigener Produktion.
Sternekoch Achim Krutsch kreiert mit seiner Brigade dort täglich wechselnde Gourmetmenüs. Serviert wird in der Abt- und Schäferstube mit  jahrhundertealten Eichendecken. Im Nebenhaus, der ehemaligen Remise, werden  in der Benediktinerstube ländlich-mediterrane Gerichte angeboten. Das Schmuckstück des Hotels ist das Restaurant „Abt & Schäferstube“, das einen Michelin-Stern trägt. Hier kann man sich mit der klassischen französischen Küche verwöhnen lassen und genießen. Auch hier ist Lamm das Thema, der Lammrücken ist der Favorit. In der großen Parkanlage des Schafhofs gibt es einen Badesee und viele verwunschene Plätze mit Liegestühlen zum Entspannen.

Sterneküche im „Schafhof“: Lamm mit mediterranen Beilagen.

Zum Hotel gehört eine große Scheune für große Feste. Die in der eigenen Schnapsbrennerei hergestellten Schnäpse kann man probieren und kaufen. Hier wird vor allem Streuobst gebrannt, aber auch Renekloden, Christbirne, Kirschen und Kräuter. Im historischen Kräutergarten holen sich die Köche die frischen Kräuter für die Küche. Wer meditieren möchte, kann sich vor den großen Kaninchenstall setzen und abschalten. Viele Vogelhäuser, in denen einige Vögel nisten, sind zur Dekoration an der Feierscheune angebracht. Es gibt zwei kleine Läden, in denen man die Utensilien kaufen kann, die man auf dem Schafhof sieht, natürlich sind viele Sachen in Schafform.
Brotsommelier Volker Mayer aus Miltenberg.
Bäckermeister Volker Mayer  ist der erste Brotsommelier am Bayerischen Untermain. Der Miltenberger hat an der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk in Weinheim mit elf anderen Teilnehmern aus ganz Deutschland eine staatlich anerkannte, neunmonatige Fortbildung absolviert. Die Sommeliers sollen den Menschen vor Ort nun die Wertigkeit des Lebensmittels Brot vermitteln. Seine neunmonatige Ausbildung zum Brotsommelier war für den Meister eine Zusatzbelastung – auch für den gesamten Betrieb. Neben Marketing, Geschichte, Haptik, Optik, Geschmacks-, Geruchs- und Verzehrstest musste eine Projektarbeit geschrieben und vor einer Prüfungskommission verteidigt werden. Mayer hat daraufhin seine neue Unternehmensstrategie konsequent aufgebaut.
Bodenständige Qualitätsküche „Zum Stern“ in Rüdenau.
Feine regionale Küche – frisch aus eigener Metzgerei für jeden Geschmack und Geldbeutel, das bietet der  Gasthof  „Zum Stern“ in Rüdenau, nah bei Miltenberg. Das ursprünglich-familiäre Ambiente des Gasthofs und ein „Dinner Kabarett“-Programm zeichnen die Speisegaststätte aus.“ Regionale Spezialitäten aus Odenwald und Franken, frisch aus der eigenen Metzgerei, werden unter der Regie von Dieter Baumann angeboten. Zudem Räumlichkeiten, die für Familien- und Firmenfeiern sowie Busgesellschaften gedacht sind. Als einer von ganz wenigen Gasthöfen gibt es in Rüdenau noch eine eigene Metzgerei, in der Fleisch, Wurst und Hausgemachtes für daheim eingekauft werden kann. Lohn für das ambitionierte Konzept ist die Auszeichnung als  Preisträger „100 beste Heimatwirtschaften“ in Bayern.
Die Medienreise wurde veranstaltet von Mainland Miltenberg – Churfranken e.V.
Text – Foto: Klaus Feldkeller

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