SLOW TRAVEL: ENTSCHLEUNIGUNG IN DER STILLEN TOSKANA

Das „Slow Travel Fest“ ist dem langsamen und nachhaltigen Tourismus gewidmet und lädt alljährlich im September ins toskanische Städtchen Monteriggioni und Umgebung, so in die Abbadia a Isola mit seiner Klosteranlage und in die malerischen Hügel der Montagnola Senese:

Ein abwechslungsreiches Programm mit Aufführungen, Verkostungen und Führungen erwartet die Besucher, die zum Auftakt des Festivals an einer geführten Wanderung auf der Via Francigena (Frankenstraße) teilnehmen können. Los geht’s von Monteriggioni nach Abbadia a Isola, einer der schönsten Etappen des Pilgerwegs. Ob zu Fuß oder mit dem Rad, die Idee des langsamen Reisens verfolgt das Ziel, die Landschaft aufzunehmen und zur Ruhe zu kommen. Möglichkeiten zur Übernachtung stehen entlang der Strecke im Kloster, in Jugendherbergen oder auf dem Campingplatz zur Verfügung.
Sammelpunkt zur Etappe auf der Via Francigena.
Die Emotionen eines Pilgers sind individuell. So poetisch versucht sich die Mittdreißigerin-Pilgerin Clara: „Wir pilgern aus keinem geringeren Grund als dafür, uns selbst am Ende der Route wieder zufinden.“ Wie oft sich die Italienerin wiedergefunden hat, darüber hat sie den Überblick verloren. Seitdem Clara vor fünf Jahren zum ersten Mal von ihrer Heimat, der toskanischen Stadt Lucca, Richtung Rom aufgebrochen ist, ist sie süchtig nach dem Pilgern und Wandern. Spuren hat die Via Francigena alias Frankenstraße nicht nur bei Clara hinterlassen, wie Daniela Cappelletti von der Tourismus-Agentur atuscantale.com zu berichten weiss: Die Nachfrage nach massgeschneiderten Angeboten wächst.
2009 ist die Via Francigena zwischen Monteriggioni und Siena eröffnet worden.
Bereits im Jahr 334 haben sich erste Pilger aus Franken zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus nach Rom aufgemacht. Die 1.600 km lange heutige Strecke entspricht der Route, auf der 994 Erzbischof Sigerich der Erste von Canterbury über Frankreich durchs Aosta-Tal und Siena in die Ewige Stadt marschiert ist. Ihm gefolgt sind Pilger, Kaufleute, Kreuzzügler genauso wie Staatsmänner oder Schriftsteller. Der Frankenweg entwickelte sich über die Jahrhunderte zur religiösen, politischen und ökonomischen Hauptschlagader Europas. Im Lauf der Geschichte aber geriet er in Vergessenheit.
In der ehemaligen Zisterzienserabtei Abbadia a Isola findet bei Campus-Atmosphäre das „Slow Travel Festival“ mit Ausstellern zum „langsamen Reisen“ und abendlichem Musik-Programm statt.
Erst durch den Boom des Jakobswegs in den 1990er Jahren wurde die Via Francigena wiederentdeckt und gilt heute als „Europäische Kulturstraße“ sowie „Major Cultural Route of the Council of Europe“. Seither erfreut sich die Route, die bei einer Tages-Etappe von etwa 20 km in 80 Tagen zu meistern ist, wachsender Beliebtheit. Besonders in Italien, wo sie mit San Gimignano und Siena durch zwei UNESCO-Kulturerbe-Stätten führt. 20.000 Pilger wurden 2013 auf dieser mit historischen, landschaftlichen sowie kulinarischen Leckerbissen gespickten Strecke verzeichnet. Seither steigt die Anzahl jährlich um fünfzehn bis zwanzig Prozent.
„woodcraft“-Experte Andrew T. Price zeigt Überlebenstechniken in freier Natur.
Jeden Tag stehen Treffen mit Autoren und großen Reisenden, thematische Ausflüge in die Natur, Workshops und Wanderausstellungen sowie Abendkonzerte im wunderschönen Kloster Abbadia a Isola auf dem Programm. Drei Tage voller Treffen, Exkursionen und Initiativen, die Liebhabern des langsamen Tourismus und der Natur gewidmet sind, um Monteriggioni und die Via Francigena durch Kunst, Musik und Outdoor-Erlebnisse zu entdecken. Das Festival, das eigentlich in Abbadia Isola, einem Dorf ein paar Schritte von Monteriggioni, abgehalten wird, möchte die langsame Reise fördern, ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad.
Künstlerische Darbietungen wie eine Rezitation aus der Decamerone von Dante gehören auch zum Programm des Slow Travel-Festivals.
Ob im Bergdorf Monteriggioni oder in den Thermalbädern von Bagno Vignoni – überall finden sich idyllische Plätze. So auf den Kiespfaden rund um San Gimignano, wo die wertvollen Safranblüten im Oktober die Hügel violett einfärben – oder auf den von Olivenhainen und lila Malvenblüten umrahmten Feldwegen der südlichen Toskana, aber auch auf den leergefegten Straßen von Dörfern wie Abbadia Isola oder Radicofani, wo bloß die dicht behängten Wäscheleinen über den Gassen an ihre Bewohner erinnern. Einzig Radfahrer und Traktoren überholen den Wanderer auf diesen Etappen der Via Francigena von Zeit zu Zeit.
Die Via Francigena führt an pittoresken Ecken der Toskana – wie hier in Monteriggioni – vorbei.
Als 2009 die Via Francigena zwischen Monteriggioni und Siena eröffnet wurde, klopfte der erste durstige Pilger an die Haustür eines Anwohners. „San tiagische“ Dimensionen wie auf dem berühmten Compostella-Weg hat die Via Francigena jedoch trotz Revitalisierung und Investitionen in die Infrastruktur nicht erreicht. Mit-Veranstalter Giovanni Morozzo von der Agentur ciclica.cc sieht nach dem vierten Slow Travel Festival die Notwendigkeit, an die Historie des Pilgerwegs anzuknüpfen und das Konzept einem größeren Publikum anzubieten: „Wir möchten uns noch stärker vernetzen und einem europäischen Forum öffnen.“
Natürliche Produkte wie hier aus Ziegenmilch werden auch beim Festival feilgeboten.
INFO: Die Gebirgskette Montagnola Senese (Seneser Gebirge) befindet sich in der Provinz Siena nordwestlich und westlich von Siena. Geographie: Die senesische Gebirgskette beginnt wenige Kilometer nordwestlich von Siena und umfasst die GemeindenCasole d’Elsa, Monteriggioni, Siena und Sovicille. Höchste Erhebung ist der Berg Montemaggio (Monteriggioni) mit 671 Höhenmetern. Die Gebirgskette liegt an der Via Francigena als letztes Hindernis (von Norden kommend) vor Siena. Im Südwesten grenzt sie an die Colline Metallifere. Im Gebiet der Montagnola Senese entspringt bei Sovicille der Fluss Elsa, der dann nach Norden fließt und in den Arno mündet. Das Gebiet wird zudem von den Flüssen Merse, Rosia und Serpenna berührt, die alle zum Flusssystem des Ombrone gehören.
Toskanische Idylle in Monteriggioni.
Text – Foto: Klaus Feldkeller
Die Einladung zu dieser Medien-Reise erfolgte durch den italienischen Tourismusverband ENIT.

 

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