„VIVID“: EINE LIEBESERKLÄRUNG AN DAS LEBEN

Artistik, Revue und Ballett: Die Grand Show „Vivid“ im Friedrichstadt-Palast Berlin vereint dies zu einem farbenfrohen Cocktail:

Allein unter Androiden: das Mädchens R’eye.
Im 1984 eröffneten  Pracht-Neubau der DDR befindet sich das größte Unterhaltungstheater Deutschlands. Mit über 2.800 Quadratmetern Bühnenfläche ist es das weltweit größte. Gute Unterhaltung, exquisite Bühnenkostüme sowie eine perfekte Lichtshow, all dies ist in der aktuellen Revue „Vivid“  zu sehen:
Farbenfrohes Bühnenbild und ausgefeilte Lichtshow: Die Grand Show „Vivid“.
Denn die Geschichte, die mit Songs und Bildern erzählt wird, hat Schwung, Farbe und Raffinesse. Die Inszenierung stammt von der in Las Vegas lebenden Autorin und Regisseurin Krista Monson, mit der erstmals in der 99-jährigen Theatergeschichte des Palastes eine Frau eine Grand Show inszenierte. Monson war jahrelang in verschiedenen Kreativabteilungen des Cirque du Soleil tätig, der mit seinen tollkühnen, kommerziell erfolgreichen Programmen die Zirkuskunst revolutioniert hat. Jetzt hat die Regisseurin sich den Werdegang des Mädchens R’eye ausgedacht, das am Anfang mit seinem Vater im Parkett sitzt, dann von ihm getrennt und in eine Androidin – halb Sterbliche, halb Roboter – verwandelt wird.
Die Revue „Vivid“ präsentiert eine bunte Liebeserklärung an das Leben.
Ein mild lächelnder Guru drückt ihr eine blaue Blume in die Hand, mit der sie sich, ganz im Sinne der Romantik, auf die Wanderschaft und die Suche nach sich selbst begibt. Dabei gerät sie in die abenteuerlichsten Szenarien und sieht Dinge, von denen sie wohl nicht einmal geträumt hat. Dem Publikum ergeht es nicht anders. Mit den spektakulär vielfältigen Bühnenbildern von Michael Cotten, den berauschend prachtvollen Kostümen von Stefano Canulli und den surreal schrillen Kopfbedeckungen von Philip Treacy, der ansonsten etwa für die Queen tätig ist, lernt es wieder zu staunen.
Spass im „Fun House“.
„Vivid“ schenkt dem Zuschauer die Illusion der Schwerelosigkeit. Da schwingen in futuristischen Lack-Outfits, 32 Tänzerinnen ihre langen Beine in perfekter Synchronität. In einer atemberaubenden Mischung aus Artistik, Volkstheater und Ballett mit der fulminanten Choreographie von Alexandra Georgieva fliegen Menschen durch die Luft, türmen sich behende übereinander, verwandeln sich in Fabelwesen, Tiere, Pflanzen. Selbst ein gefleckter Faun ist zu entdecken. Eine filigrane  Brücke staffelt die Menge der Tänzer auf der Bühne, während aufwendige Licht-Projektionen die szenischen Arrangements erweitern. Eine stattliche Kompanie von Androiden in silbergrauen Ganzkörperanzügen marschiert meist zackig durch die Zuschauer nach vorne, preist Ordnung, Gleichheit und die digitalee Welt.
Symmetrie in Perfektion: Die Tänzerinnen des Friedrichstadt-Palastes mit dem futuristischen Kopfschmuck-Design von Philip Treacy.
Die komplexen Elemente fügen sich kunstvoll ineinander, die Nummern sind bei aller Opulenz nie überladen, was auch am klugen Rhythmus aus Performance und Ruhe, Action und Abwägen liegt. Ob im Dschungel oder im Fun House, zwischen Laserstrahlen und Kristallmassiven, unter Derwischen und Ballettblüten, die sich auf Spitze und im Tutu bewegen, immer löst sich alles in reiner Schaulust auf: Revue ohne Grenzen. Gesungen wird klar und gut, die Musik ist abwechslungsreich und kommt von einem Orchester, das im Hintergrund spielt.
Eine hypersinnliche Kopfschmuck-Kreativität auf der größten Theaterbühne der Welt.
Und wenn schließlich die vier Männer der „Navas Troupe“ stählerne Doppelräder schnell in den Himmel drehen und darauf halsbrecherisch ohne Seil und Netz herumspringen oder Salti schlagen, bleibt dem Besucher fast das Herz stehen. Zwölf Millionen Euro hat diese Produktion mit über hundert Mitwirkenden gekostet, und obwohl Geld eigentlich kein Gradmesser sein sollte, ist hier eindeutig festzustellen: Es hat sich gelohnt. Mindestens noch ein Jahr wird „Vivid“ in Berlin zu sehen sein, meist acht Mal die Woche vor dem mit knapp zweitausend Plätzen riesigen Friedrichstadt-Palast. Diese Hymne auf das Leben ist beste Unterhaltung und ein hinreißender Taumel.
Spektaktuläres Bühnenbild: „Jungle Extravaganza“.

 

Promo-Video: Vivid.

Text: Klaus Feldkeller – Fotos: Friedrichstadt-Palast
Die Einladung zu der Grand Show „Vivid“ erfolgte durch den Friedrichstadt-Palast, was keinen Einfluss auf die Berichterstattung hat.

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