Budva und Kotor verzaubern in der Vorweihnachtszeit

Während der Großteil Europas im grauen Matsch und nasskalter Trübe versinkt, glitzert die Adria im montenegrinischen Winter oft unter einem strahlend blauen Himmel bei milden 12°C bis 15°C. Es ist die Zeit der Entschleunigung, in der die Küste ihren wahren, unverfälschten Charakter zeigt.

Kotor: Wenn mittelalterliche Mauern im Lichterglanz erstrahlen

Kotor ist im Winter nicht nur ein Reiseziel – es ist ein Gefühl. Die UNESCO-geschützte Altstadt, die im Sommer oft von den Passagieren der großen Kreuzfahrtschiffe geflutet wird, gehört im Dezember wieder ganz den Einheimischen und den Kennern. Die engen Steingassen wirken unter der kunstvollen festlichen Beleuchtung wie eine lebendig gewordene Filmkulisse aus einer anderen Zeit.

Das Herzstück der Saison ist das „Kotor Winter Fest“. Von Anfang Dezember bis weit in den Januar hinein verwandelt sich die Stadt in eine Bühne für Kultur und Genuss. Auf den kleinen Plätzen hallt Live-Musik von den Steinwänden wider, lokale Kunsthandwerker bieten ihre Waren feil und der Duft von Zimt vermischt sich mit der salzigen Meeresluft.

Die Stimmung ist ruhiger, fast schon mystisch. Selbst die berühmten Katzen von Kotor scheinen den Winter zu genießen, während sie sich auf den von der Wintersonne gewärmten Steinen räkeln. In den gemütlichen Weinstuben der Stadt findet man nun problemlos einen Platz, um bei einem Glas regionalem Vranac die Zeit zu vergessen.

Das absolute Highlight für das Auge ist jedoch die Stadtmauer: Wie eine goldene Lichterkette zieht sie sich nachts den steilen Hang zum San Giovanni Kastell hinauf und spiegelt sich zitternd im dunklen Wasser der Bucht.

Budva: Zwischen Winterschlaf und festlichem Glamour

Nur eine kurze Fahrt über den Bergpass entfernt zeigt sich Budva von einer überraschend besinnlichen, aber dennoch gewohnt luxuriösen Seite. Die einstige Party-Metropole, die im Sommer niemals schläft, hat im Dezember ihren Pyjama angezogen – doch es ist ein seidener Designer-Pyjama.

Unter dem Motto „Budi u Budvi“ (Sei in Budva) verwandelt sich der Platz direkt vor den geschichtsträchtigen Mauern der Altstadt in ein wahres Winter-Wunderland. Das Besondere: Hier kann man auf einer Eislaufbahn seine Runden drehen, während man buchstäblich auf das Meer blickt. An den kleinen Holzhütten werden Priganice serviert – jene typisch montenegrinischen Krapfen, die mit Honig oder Käse am besten schmecken, wenn sie noch dampfend heiß sind.

Wer es etwas exklusiver mag, nutzt den Winter für den „Luxus-Vibe“ der Region. Die renommierten Fünf-Sterne-Häuser, wie das legendäre Hotel Splendid, locken mit erstklassigen Spa-Angeboten. Es gibt kaum etwas Erholsameres, als nach einem windigen Spaziergang entlang der menschenleeren Marina im beheizten Infinity-Pool zu entspannen.

Doch ganz vergisst Budva seine Wurzeln nie: Schon Mitte Dezember liegt eine spürbare Elektrizität in der Luft. Die Stadt bereitet sich auf ihre berühmten Open-Air-Konzerte an Silvester vor, und bei den ersten Soundchecks auf der großen Bühne bekommt man einen Vorgeschmack auf die legendäre Feierlaune der Montenegriner.

Warum sich Montenegro im Dezember wirklich lohnt

Die Vorteile einer Reise in der Vorweihnachtszeit liegen auf der Hand. Zuerst ist da die Leere: Man hat die historischen Stätten fast für sich allein, was Fotomotive ermöglicht, von denen man im August nur träumen kann. Dann das Klima: Es ist mild genug für ausgedehnte Wanderungen, ohne dass man ins Schwitzen gerät. Hinzu kommt der Preisvorteil: Viele Unterkünfte kosten in der Nebensaison nur die Hälfte oder sogar weniger.

Nicht zuletzt ist es die Kulinarik, die den Winter besonders macht. Es ist die Zeit der Ernte für saftige Granatäpfel und süße Mandarinen direkt von der Küste. Wenn man dann abends bei einem kräftigen roten Vranac am Kaminfeuer sitzt, versteht man, warum das Wintermärchen an der Adria der wohl am besten gehütete Geheimtipp des Balkans ist.

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