Eine eintsprechende Marktanalyse stellte Chefredakteur Patrick Schmitt (The Drinks Business) zur aktuellen Entwicklung im Vereinigten Königreich bei der strategischen Neuausrichtung der Garda DOC in Lazise vor.
Für die norditalienische Appellation Garda DOC öffnet sich hier gerade ein enormes kommerzielles Wachstumsfenster. Durch eine strategische Anpassung ihrer Regulierung positioniert sich die Region als Vorreiter für Weine mit reduziertem Alkoholgehalt (Lower ABV) auf dem hart umkämpften britischen Markt.
Die neue Steuerrealität: Warum Prozente bares Geld kosten
Lange Zeit galt auf dem britischen Markt eine Pauschalsteuer für Weine zwischen 11,5 % und 14,5 % Vol.. Diese Übergangsregelung endete am 1. Februar 2025. Seitdem wird die Duty (Alkoholsteuer) im Vereinigten Königreich exakt und linear nach dem tatsächlichen Alkoholgehalt berechnet.
„Wines are now taxed precisely according to their labelled ABV.“
— Patrick Schmitt, The Drinks Business
Da auf den Endpreis inklusive Steuer zusätzlich 20 % Mehrwertsteuer (VAT) aufgeschlagen werden, führt jedes eingesparte Prozent Alkohol zu einer spürbaren Preissenkung im Supermarktregal. Ein Wein mit geringerem Alkoholgehalt ist für den Mainstream-Handel damit kalkulatorisch unschlagbar attraktiv.
Das „9%-Wunder“ vom Gardasee
Während der globale Trend zu „Low & No“ oft mit künstlicher Entalkoholisierung im Keller in Verbindung gebracht wird, setzt die Garda DOC auf einen natürlichen, weinbaulichen Ansatz.
Die Denomination hat auf die veränderten Marktbedingungen reagiert und die Produktionsvorschriften angepasst: Seit der Ernte 2025 ist ein Alkoholgehalt von minimal 9 % Vol. offiziell zugelassen.
Die klimatischen und geografischen Bedingungen rund um den größten See Italiens bieten dafür das perfekte Fundament. Die Winzer nutzen moderne Weinberg- und Kellertechniken, um die reife Stilistik zu bewahren, aber den Zucker- und damit den späteren Alkoholgehalt niedrig zu halten.
Die Basis für diese leichten Weißweine bildet primär die autochthone Rebsorte Garganega, oft harmonisch cuvéetiert mit Pinot Grigio oder Chardonnay.
Garda DOC hat damit einen klaren agronomischen und rechtlichen Vorsprung vor konkurrierenden Appellationen, die Weine mit 9 % Vol. regulatorisch noch gar nicht erzeugen dürfen.
Neue Stile und Kategorien für den Handel
Die Neuausrichtung der Garda DOC geht jedoch über den reinen Alkoholgehalt hinaus. Um im britischen Handel ein unverwechselbares, eigenständiges Profil zu schärfen, wurden mit dem Jahrgang 2025 weitere wichtige Weinstile verankert:
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Garda DOC Crémant: Die Appellation adaptiert bewusst den internationalen Begriff „Crémant“. Dieser Schaumwein wird nach der klassischen Methode erzeugt und muss mindestens 12 Monate auf der Hefe lagern. Marktstrategisch schließt er die Lücke zwischen dem allgegenwärtigen Prosecco (Tankgärung) und der hochpreisigen Franciacorta (Champagner-Positionierung).
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Pinot Grigio Ramato: Ein kupferfarbener, charakterstarker Rosé, der durch erweiterten Schalenkontakt entsteht und das Rosé-Segment im UK-Handel beleben soll.
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Neue Rebsorten: Für die Still- und Schaumweinkategorien wurden zudem die Sorten Müller-Thurgau und Rebo neu autorisiert.
Fazit: Eine glaubwürdige Nische im Massenmarkt
Es geht nicht darum, Giganten wie den Prosecco (mit rund 700 Millionen Flaschen) oder den Pinot Grigio delle Venezie (über 200 Millionen Flaschen) zu verdrängen. Das Ziel von Garda DOC ist es, dem britischen Markt etwas völlig Eigenes zu bieten: charaktervolle, leichte und echte Weine mit einer natürlichen Herkunftsgeschichte zu einem hochattraktiven Preis.



