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PARIS: SEHNSUCHT SACRE COEUR

PARIS: SEHNSUCHT SACRE COEUR

Authentisch verreisen bedeutet nicht, immer dorthin zu fahren, wo kaum oder gar kein Tourist war. Echtes Ambiente finde ich auch dort, wohin die Massen strömen. So in Paris, in Montmatre, auf der rive gauche oder im Marais.

Zentraler Ausgangspunkt auf dem „butte montmartre“. Hier findet man das beliebte Pariser Lebensgefuehl.[grey_box]Ein gutes, relativ preiswertes Hotel in der franzoesischen Hauptstadt zu finden, grenzt an die Quadratur des Kreises. Es gibt sie trotzdem, die liebenswerten, nicht ueberteuerten Herbergen.

So das Hotel des arts (Foto oben), ruhig und doch zentral gelegen. Die Zimmer sind nach Kuenstlern benannt, renoviert und mit Geschmack gestaltet. Einziger Wermutstropfen: leider etwas hellhörig. Aber der Charme der Rezeptions-Managerin Juliette gleicht dieses kleine Manko mehr als aus.

Beste Asia-Küche im Marais: Suan Thaï. Von Montmartre gleich in die Nähe vom Kunsttempel Centre Pompidou. Frische und ungekünstelte thailändische Küche auf kunstvoll angerichteten Tellern: Das ist Augen- und Gaumenschmaus bei Suan Thaï im Pariser Stadtteil Le Marais.

Der Marais, architektonisch sicher eines der schönsten Pariser Stadtviertel, ist in gastronomischer Hinsicht eine Einöde. An Kneipen und Boutiquen mangelt es nicht, aber es ist schwierig, ein nettes kleines Restaurant zu finden.

Fernöstliches Design zu frisch-aromatischer Küche findet man hier. Umso angenehmer überrascht dieses thailändische Restaurant zu Beginn der Rue Sainte-Croix-de-la-Bretonnerie. Unprätentiöses Dekor, qualitativ hochwertige Materialien, schönes, schlichtes Geschirr, ein paar frische Blumen in einem Glas und hier und da thailändische Akzente im Stil jenes kleinen buddhistischen Altars:

Ein ansprechender Ort, auch wenn es am Tisch manchmal recht eng wird. Es gibt noch einen zweiten Raum im Untergeschoss mit Kellergewölbe, zum Glück nicht zu niedrig, der mit großen Bänken eingerichtet ist.

Guter Geist im Suan Thaï: die Mutter von Koch Boun Seng. Mit dem Restaurant Suan Thaï erfüllte sich der junge Koch und Eigentümer Boun Seng den Traum von Unabhängigkeit und schuf sich so einen idealen Rahmen für die moderne thailändische Küche, die ihm vorschwebte.

Bevor er den Schritt in die Selbständigkeit wagte, war er kurz nach Südostasien zurückgekehrt, um zu sehen, was sich in den letzten Jahren in kulinarischer Hinsicht dort getan hatte, vor allem in Bangkok. Vor Ort konnte er feststellen, dass man auch in der thailändischen Küche immer mehr Wert auf ästhetische Präsentation legt.

„Früher schüttete man den Inhalt des Woks einfach so auf den Teller“, erklärt Boun grinsend.

Bonbons zum Schluss, welche die Rechnung versüssen sollen. Knackige Salate, frisches Gemüse und zarte, saftige Riesengarnelen zeugen davon, dass Frische auf der Speisekarte großgeschrieben wird. Kräuter, ein essentieller Bestandteil der thailändischen Küche, werden erst in letzter Minute gehackt:

Zu den typischen Gewürzkräutern, die in der Küche des Suan Thaï verwendet werden, zählen Koriander, Zitronengras, Galgant (auch Galanga oder Thai-Ingwer genannt), Kardamom und Kaffernlimette, eine kleine grüne Zitrone mit unebener Schale, von der man nur die Blätter oder die Schale für Marinaden verwendet.

Die Dosierung von Gewürzen und Schärfe ist ausgewogen und verleiht den Gerichten eine besondere Note, ohne die übrigen Aromen und die Frische der Zutaten zu überspielen.

Delikate Vorspeise im Semilla: Ein kulinarischer Dreiklang. Für Französisch-Kenner: Velouté de courge du Ventoux – Salde de potimarron, vierge grenade –  Beignet de butternut, fromage frais aux herbes. Paris ist das Mekka der Bistro-Kultur. Eine Variante: die moderne, mit marktfrischen Produkten. Koch Eric Trochon führt gemeinsam mit Matthieu Roche das Bistro Semilla im Quartier Latin.

Das Mittagsmenü für 24 €: drei kleine Vorspeisen und eine Selektion von drei Hauptgerichten, eines davon vegetarisch. Alles saisonal und knackig, und vor allem von der Mission beseelt: Offenheit gegenüber den Gästen. Die Küche im Semilla ist einsehbar, und auf der Rückseite der ausgedruckten Menükarten befinden sich die jeweiligen Rezepte. Ein Hochgenuss – zu bezahlbaren Preisen.

Fotos – Text: Klaus Feldkeller.

DER AUTOR HAT TEXT UND FOTOS OHNE FINANZIELLE UNTERSTÜTZUNG DRITTER ERSTELLT.